In den Jahren meiner selbstgewählten Einsamkeit scheine ich mich immer wieder um die selben Arten von Männern zu drehen. Der Schönling, der sich nicht zurück meldet; der aufdringliche Witzbold, der denkt, er hätte mich durchschaut; der süße Kumpeltyp, der einfach nicht aus dem Knick kommt. Und dann dieser, der nichts und doch irgendwie alles von dem ist: Der Herzmann. Der, der dich mit dem Lächeln einfängt und genau den richtigen Ton trifft. Der mit dir stundenlang auf dem bakon sitzt, dein Knie zaghaft streichelt und so perfekt im Abendlicht vor sich hin sitzt, dass der Kopf allzuschnell all die wunderbaren Eventualitäten der Zukunft ausmalt.
Aber natürlich bekomme ich den nicht.
Ich ärgere mich mit dem verschrobenen Witzbold herum, werde den "Friendzone" - Boy nicht los, weil der immer irgendwie am Straßenrand steht und mir die Tür aufhält, aber sonst keinen move macht. Der Schönling, der Sebstwertgefühl sinken lässt, weil man beim Sport kaum noch gerade aus laufen kann.
Dieser Herzmann, mit seinen perfekten Zähnen, in der perfekten Szene mit den perfekten Hobbies und der wohltuenden Dosis als Intellekt und Manie.
Der bleibt irgendwie jedes Mal unerreichbar. Und am Ende steht man mit einem der oben genannten Kanditaten vor der Tür der Eltern und weiß nicht, wie man aus dieser Nummer wieder rauskommt. Entweder hat man den Schönling doch zum Antworten bekommen und war so paralysiert, dass man plötzlich zu allem Ja gesagt hat und nun eine 6000€ Küche gemeinsam aussucht, obwohl man doch eigentlich letztes Jahr noch für die canadaTour gespart hat. Oder man hält plötzlich Händchen mit dem Kumpel, weil das sich ja so vertraut anfühlt und Papa mit ihm doch schon so oft zusammengearbeitet hat - " der war immer so zuverlässig " Aber man hatte ja auch irgendwie Angst keinen mehr abzukriegen. Und nicht zu vergessen - der ewige Tollpatsch, der etwas verplante Junggeselle, der diese süßen verwuschelten Haare hatte - den hat man jetzt zum Frisör geschleppt, ihm einen Terminkalender gekauft und man freut sich, dass er endlich einen Einkaufszettel vollständig abarbeiten kann. Der, der dir nach zwei jahren sagt - es ist ihm alles zu eng und zu ernst. Das sagen diese Typen übrigens am Ende irgendwie alle. Jeder ein bisschen auf seine Art. Dem einen ist man zu muttimäßig, dem anderen nicht spontan genug, oder zu dick.
Die finden irgendwas.
Und wir? Und ich? Wir stehen wieder an der gleichen Stelle, haben drei Falten mehr, mehr Ratgeber gelesen, eine Freundin vor Lamentierei verloren und ärgern uns über das Pony, das wir uns vor Wut schniden lassen haben und eigentlich nicht stylen können.
Woran liegt das?
Wir kennen unseren Wert nicht. Wir erwarten von den Männern großes und vergessen eigentlich, dass wir schon ziemlich groß sind. Wir haben so viel in unserem Paket, doch wir vergessen immer wieder die Sachen auch auf den Tisch zu legen. Diese Männer, diese liebevollen Looser. Die halten uns auf mit Mängeln und Unzulänglichkeiten, die wir selbst schon oft vor unseren 17. Lebensjahr hinter uns gelassen haben.
Wir führen ein Business, studieren erfolgreich oder entwickeln uns mühelos weiter. Warum also riskieren wir nicht, uns das zu nehmen, was wir verdient haben?
Das ist nicht der Kerl, der seit Jahren nicht den Mund aufbekommt und uns nicht sexy fühlen lässt. Es ist auch nicht der aromantische Hipster, der nicht weiß wie man ein Bad putzt, oder der, während wir zu Hause die Wäsche machen, mit einer anderen auf ein Date geht. Es ist auch nicht der, dem wir sagen müssen, dass er sich die Haare waschen soll oder mal zu unserer Mutter fahren muss. Der seiner eigenen keine Blumen mitbringt und mit einer Finanzspritze zum Geburtstag zufriedener ist, als mit dem liebevoll dekorierten Star Wars Kuchen. Wann haben wir vergessen, uns selber wichtig zu nehmen?
Seit wann verkaufen wir uns unter Wert? Und wer ist daran Schuld?
Unsere Eltern haben uns zu selbstständigen, geradlinigen, denkenen Frauen erzogen. Wir können unsere Steuererklärung machen und wissen, wie man Zwiebelsaft macht. Wir können einen Rollbraten zubereiten und Laminat verlegen.
Bringen wir vielleicht ZU VIEL auf den Tisch?
Haben die Männer Angst vor uns?
Denken wir, wir haben nicht mehr verdient als das, was wir bekommen?
Wo ist unser Glauben, das zu verdienen, was wir wollen?
Wieso haben wir Angst vor dem Herzmann und schlagen uns lieber mit den anderen Vollidioten rum?