Dich in meinen Träumen zu sehen bringt mir schlaflose Nächte.
Ich liege schwer atmend in den dunkelgrünen Kissen, während draußen noch die Nacht in den Bäumen hängt. Ich höre nichts, außer das Rauschen der Heizung. Ich überlege und ärgere mich, dass ich die nicht ausgemacht habe. Hinter mir tickt stetig die Uhr. Tick. Tack. Tick. Tack. Tick. Ich höre weg. Jede Sekunde, die ich länger wach bin erinnert mich daran, dass du zwischen meinen Augenlidern wartest. Ich schaue hinaus und hoffe auf ein wenig Ablenkung, doch nichts. Nur das Ticken.
Mich zieht die Unruhe aus dem Bett. Ich möchte noch nicht zurück in die Kissen, noch nicht zurück zu den Gedanken und Bildern, die mich aufwachen ließen. Dass du mich immernoch heim suchst, macht mich wütend und lässt mich grübeln.
Es ist schon eine Weile her, seitdem du das letzte Mal in mir warst. Nicht, dass ich dich nicht fortwährend in meinem Herzen trage, nein, vielmehr habe ich aufgehört, dich durch die Tage zu tragen. Du warst nicht mehr Begleiter meiner Schritte, du hast nicht mehr meine Luft geatmet und bist mir vorsichtig durch die Haare gefahren. Nichts davon.
Und dann fühlt sich dein Gesicht im Traum so willkommen und wunderschön an, dass ich Angst habe. Es ist so vertraut, so zart, dass ich nicht umhin komme mich zu fragen:
Vermisse ich dich noch immer, oder vermisse ich nur wieder etwas, dass ich jahrelang mit mir herumtrug?
Ist es das Kleidungsstück, das immer im Schrank hängt und man nie sonderlich beachtet hat und dann, wenn man sich entscheidet, es auszusortieren, eine klaffende Lücke im Schrank hinterlässt?
Ich komme so nicht weiter und gehe barfuß durch den Flur. Der Fußboden knarrt, wie es in alten Häusern immer knarrt. Als würde ein kleiner Troll unter dem Fußboden sitzen. Ich schmunzle und mache mir einen Tee. Am Fenster sehe ich den Morgennebel wie eine kühle Decke über der Stadt liegen. Ich bin schlaflos, schlaflos in Jena.
Jena.
Auch ein Neuanfang. Ein frisches Hemd.
Ich ziehe dich an und bin mutig. Und finde mich allmählich.
Ich spüre, wie sich Altbewährtes nicht mehr unangenehm anfühlt. ich finde meinen Platz in der Gesellschaft und akzeptiere ihn.
Während einer Unterhaltung mit einer Kommilitonin ist mir klar geworden, dass es für mich keine Cheerleader Karriere mehr geben wird. Ich werde immer das etwas andere Mädchen vorne in der ersten Reihe sein.
Und ich finde es schön.
Hier, hier merkte ich das erste Mal, dass ich mich selbst und bewusst dazu entscheide nicht zur "angesagten Gruppe" zu gehören. Früher fühlte ich mich ausgestoßen und versetzt. Und ich merke nun, dass ich mir wohl auch nicht selten diese Rolle ausgesucht habe. Und in diesen Tagen fällt mir auf, dass ich eben wirklich nicht dazugehören will.
Ich bin kein leichtes Mädchen, ich fasste Prinzipien und Ansprüche an eine Freundschaft und weiß, diese kann ich nicht bei jedem finden. Doch diese Handvoll Menschen ist die, die mich glücklich(er) macht.
Nun fühlt es sich gut an. Natürlich auch, weil ich einen Menschen mehr in diese Hand tun kann, ja bin ich euphorisch. Vielleicht deswegen, aber auch, weil es sich richtig anfühlt.
Ich bin anders. Anders als die meisten.
Ich halte mich nicht an Schönheitsidealen auf, sondern hänge meinen eigenen hinterher. Ich zerbreche an ihnen und stehe wieder auf. Die Entwicklung tut gut. Selbst dann, wenn ich dafür nicht weniger Einsamkeit und Niederschläge einstecken muss.
Der Tee ist fertig.
In den Händen fühlt sich die Tasse heiß an. Ich verbrühe mir fast die Innenflächen, doch ich halte durch.
Ich bin eine Durchhalterin.
Wenn ich an dich denke, habe ich Angst, dass dich vergessen, die Liebe aufgeben bedeutet.
Doch während ich in den Kissen Ruhe suche, merke ich, wie du hinter meinen Lidern auf mich wartest, wartest, dass ich dich einfange.
Und du lächelst und weißt - ich komme nicht eher von dir los, als bis es zu sehr weh tut. Aber ich gebe nicht auf. Du tust mir nicht mehr gut. Und ich werde es schaffen.

(from: http://andaherzt.blogspot.de/)
In relationships - is it smarter to follow your heart or your head?