Ich verbringe viel Zeit mit meinen Gedanken. Vielleicht, zu viel.
Doch während ich dort so herumirre und Geschehnisse, Gefühle, Menschen und Augenblicke versuche zu ordnen, wünsche ich mir manches Mal ein Denkarium.
Aber das gibt es ja nicht, sodass ich mit meinem Gedankenknäuel allein dastehe.
Und so, so passiert es manchmal, dass ich doch den einen oder anderen Gedanken entwirren kann.
Wir haben soviel Dinge, die uns beschäftigen. Menschen und Momente, die uns die Tage verderben, sie verschönern. Sie verändern.
Du veränderst. Du veränderst mich jeden Tag.
Ich habe lange geglaubt, dass du es auf eine gute Art tust, dass meine Unfähigkeit loszulassen mich nur daran erinnern sollte, dass ich noch "lernen" müsse. Dass ich mit dir noch nicht fertig sei, mit mir. Ich denke immer wieder, dass dich loslassen bedeutet, nicht mehr zu wachsen. Aber nein.
Nein.
Ich wollte deinem Leid Buße tun. Ich dachte, und denke, für deine Traurigkeit verantwortlich zu sein.
Und jeder Gedanke, dich aufzugeben würde bedeuten, für mich bedeuten, dein Leid, dein Schmerz nicht ernst zu nehmen.
Doch das tue ich. das tue ich seit vielen, vielen Jahren. Und ich glaube auch, dass es gut so war.
Aber heute, heute realisiere ich langsam, dass es nun nicht mehr hilft. Es hilft dir nicht, und es hilft mir nicht.
Ich bremse mich selbst aus. Ich lasse mich auf niemanden ein, ich verschließe mich vor dem Leben und vor der Liebe. Ich fürchte mich vor jedem neuen Schritt. Ich zweifle an jeder Entscheidung. Jeder Atemzug tut mir weh. Und dabei möchte ich nur frei sein.
Ich habe so oft gesagt, ich müsse dich loslassen. Die Anderen haben mir gesagt, ich solle dich loslassen.
Aber dich loslassen bedeutet nicht, dich zu vergessen, es bedeutet, mich loszulassen. Wieder ich zu sein. Ohne dich.
Jede meiner Handlungen trägt deine Unterschrift. Und nun ist es Zeit für meine eigene Unterschrift.
aber weißt du, ich habe keine Angst ohne dich zu sein.
Ich habe Angst, dass ich mich in dir verloren habe. Und: diese Angst zwingt mich dich festzuhalten. Und sie zwingt mich zu hoffen. Die Angst bringt mich dazu zu glauben, dass du zurückkommen wirst. Und ich habe Angst, dass in dem Moment wo ich dich aufgebe, ich die werde, die ich nie sein wollte. Zu der Person werde, vor der du mich gewarnt hast.
Aber ich bin kein schlechter Mensch. Ich habe hohe moralische Ansprüche an mich, ich bin nett zu Tieren und helfe anderen Menschen. Ich benehme mich und trinke nicht übermäßig. Ich komme pünktlich und bezahle meine Rechnungen. Ich bin für meine Freunde da und streichle in regelmäßigen Abständen meine Katze.
Ich bin ein guter Mensch.
Und dafür muss ich mich nicht rechtfertigen.
Ich bin ein guter Mensch und das nicht wegen dir, sondern trotz dir. Und nicht, weil du diese Dinge mit mir tust, sondern weil ich mir diese Dinge antue.
Und das habe ich nun begriffen.
Gestern hattest du Geburtstag. Und ich dachte jeden Tag daran. Doch gestern habe ich gespürt, dass du nicht mehr die Hauptrolle in meinem Leben spielst.
Ich bin es.
Ich liebe dich, ich werde dich wohl immer lieben. Doch manchmal ist die Liebe nicht genug.
Und ich bin traurig, dich nicht in meinem Leben zu haben.
Aber ich verstehe, dass dies nicht mehr nur bedeutet, dich nicht mehr in meinem Leben zu haben, sondern auch mich.
Aber ich bin.
Ich möchte wieder lieben können.
Und ich lasse jetzt los.
Und werde weiter gehen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen