Mittwoch, 6. November 2013

Notizen

Juli:
 
Ich war allzu moralisch, allzu vernünftig, allzu bürgerlich gewesen! Ein alter, ewiger Fehler, den ich hundertmal begangen und bitter bereut habe, ist mir auch diesmal wieder passiert. Ich wollte mich einer Norm anpassen, ich wollte Forderungen erfüllen, die gar niemand an mich stellte, ich wollte etwas sein oder spielen, was ich gar nicht war. Und so war es mir wieder einmal geschehen, daß ich mich selbst und das ganze Leben vergewaltigt hatte.
 
14.September
 
Die acht wird heute linenkönig 
 
lets leave no words unspoken, save regrets for the broken

“I’m Done Playing these Games With My heart
 
 
September:
Es interessiert mich nicht, wie du deinen Lebensunterhalt verdienst. 

Ich will wissen, wonach du dich sehnst und ob du davon zu träumen wagst, die Sehnsucht deines Herzens zu erfüllen. 

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du das Risiko eingehst, dich zum Narren zu machen, und du der Liebe, deinen Träumen und dem Abenteuer, am Leben zu sein, folgst. 

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob du das Zentrum deines eigenen Leids berührt hast und dich von den Enttäuschungen des Lebens hast öffnen lassen oder ob du eingeschrumpft bist und dich verschlossen hast, aus Angst vor weiteren Schmerzen. 

Ich will wissen, ob du den Schmerz ertragen kannst, meinen oder deinen eigenen, ohne dich zu bewegen und ohne ihn zu verstecken, oder ihn verändern zu wollen. 

Ich will wissen, ob du Freude ertragen kannst, meine oder deine und wild tanzen und dich bis zu den Fingern und den Zehen von der Ekstase erfüllen lassen kannst, ohne dich selbst zu ermahnen, vorsichtig oder realistisch zu sein, oder an die Begrenztheit des menschlichen Seins zu denken. 

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte stimmt, die du mir erzählst... 

Ich will wissen, ob du einen anderen Menschen enttäuschen kannst, um dir selbst treu zu bleiben; ob du die Anschuldigung, nicht aufrichtig zu sein, ertragen kannst ohne dabei deine Seele zu betrügen. 

Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn nicht jeder Tag schön ist, und ob du die Quelle deines Lebens mit der Kraft deines eigenen Herzens finden kannst. 

Ich will wissen, ob du treu sein kannst und daher vertrauenswürdig. Ich will wissen, ob du mit Mißerfolg leben kannst, mit deinem und meinem und immer noch am Ufer eines Sees stehst und der Mondsichel zurufst: "Ja!" 

Ich will nicht wissen, wo du lebst und wieviel Geld du hast. Ich will wissen, ob du nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, müde bis auf die Knochen und zerschlagen, aufstehen und das tun kannst, was für die Kinder und zum Wohl deines eigenen Lebens getan werden muß. 

Es interessiert mich nicht, wer du bist und wie du hierher kamst. Ich will wissen, ob du mit mir im Zentrum des Feuers stehen kannst und nicht zurückschreckst. 

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du studierst. Ich will wissen, was dich im Inneren aufrecht hält, wenn alles andere wegfällt. 

Ich will wissen, ob du mit dir alleine sein kannst, und ob du die Gesellschaft wirklich magst, die dir in Augenblicken der Leere bleibt... 


 
 
 Juli:
Gerade habe ich den strafzettel aus bielefeld bekommen. Ich weiß, dass ich dir nicht schreiben soll. Aber 

Am liebsten würde ich dir so viel schreiben, ich habe so viel zu erzählen, zu teilen, Dinge die ich dir sagen will. Aber nicht sagen kann. Ich hänge hier fest. Ich kenne mich so nicht, ich bin  kein Mädchen, das nachts Nachrichten schreibt oder betrunken anruft. Ich bin vernünftig und versuche das alles zu vergessen, dich.zu.vergessen. Nur, so sehr ich mich auch anstrenge, ich schaffs nicht. Du fehlst, so sehr. Und egal wie sehr ich versuche mich abzulenken, ich hab dich im Gepäck und ich kann scheinbar nichts dagegen tun.

und schon wieder dieses kopfzerfickende gefühl


Dienstag, 5. November 2013

Ich hab mein Herz in einem Beutel

An grauen Tagen werfen deine Schatten buntes Licht in mein Gesicht. Ich höre dich ganz nah bei mir, sodass ich kaum Augen für etwas anderes habe.
Doch das Leben kreiselt, strudelt unablässig vor sich hin, wie ein reißender Fluss packt es mich an meinen Fesseln und zieht mich mit sich. Ich entkomme nur schwer aus diesem Rausch und bin doch ganz bei mir, umgeben von Neuem, unerwartetem. So sehr ich der Sehnsucht nach Ruhe folgen will, dein Blick zögert nicht, fordert mich noch einen Schritt ins Ungewisse zu gehen. Wie sehr du mir fehlst, schon jetzt.

Und wieder ist es als ob das Leben ein falsches Spiel spielt. Die immer gleichen Steine. Ich nehme sie und baue ein Haus aus Glas; wenn ich hindurch sehe, schaut die Vergangenheit mit müden Augen zu mir herüber. Stets dreh ich mich angelnd um mich selbst und weiß doch wo der Fehler liegt. Vielleicht ist es so, dass wir all das immer wieder erleben, bis wir es begreifen. In manchen Geschichten gibt es kein Happy End.
Ich zähle von nun an aber die guten Stunden.

Bleib noch ein bisschen bei mir. Ich möchte dich zwischen meinen Händen halten, bis es dich von mir fortträgt. Wie ein zartes Blatt Papier mit dem Herbstwind tänzelnd in der Ferne verschwindet..