Ich bin nicht, bin betäubt. Du hast mich kaputt gemacht: Jeden einzelnen Knochen hast du mir mit deiner Bombe gebrochen. Das Herz, meine winzige, verschrumpelte Traube, hast du aus seiner Box gesprengt. Und nun liegt es vermickert auf der Straße, pulsiert wehmütig in der Rinne.
Jede Phaser in mir schmerzt. Und ich kenne Schmerzen so gut. Ich kenne jede Art von Schmerz und dieser, dieser ist anders, als alles zuvor. Er erinnert mich an frühere Zeiten. Und vor allem erinnert mich das alles an so viel Altbekanntes.
Und als würde das Unheili jedes Jahr um die gleiche Zeit vor meiner Tür stehen. In einem anderen Gewand zwar, aber doch - genauso zähnefletschend und gefährlich. Nur, du warst so ein wunderbarer Wolf, so unglaublich gut verkleidet, so weich, dass ich deiner Verkleidung Glauben schenkte. Deine Worte waren süßer als Honig. So herzerwärmend. So... Du hast mir einen so wunderbaren Spiegel gezeigt, dass ich anfing, dir Glauben zu schenken, und dann - war alles vorbei.
Nur zu gut weiß ich, dass nicht du für meinen Selbstwert verantwortlich bist, aber zu hören, dass man gut ist, das man genügt so, wie man ist - fühlt sich wunderbar an. Zu merken, dass man es doch nicht tut, schmerzt umso mehr.
Immer dann, wenn man einen Zeh, selbst den kleinsten nur, über diese dünne, unsichtbare Line führt, zögernd und ängstlich, doch, wenn man es tut, wenn man diesen winzigen Zeh über diese Linie bringt, ist alles vorbei und man kommt nicht mehr zurück. Man gibt sich hin, nicht ganz und doch, genug um strudelartig ins Verderben zu fallen. Immer wieder. Ganz gleich, wie sehr man versucht diesen Moment hinauszuzögern, ganz gleich, wie lang man die Hosen probiert, sie zwischen den Händen hn und her wiegt, irgendwann, kommt man dieser Linie so nah, dass die Versuchung, der Wunsch so groß wird, das man sich doch herantastet, allen Warnungen zum Trotz, allen Erfahrungen zum Trotz. Zum Trotz.
Ist es Trotz? Oder ist es Hoffnung? Ist der erneute Versuch unbeschadet hinter diese Linie zu kommen, die Unterschrift der Hoffnung? Treibt uns die Qual der Vergangenheit oder die Hoffnung auf das zukünftige Gute? Was sollte uns treiben? Angst oder Zuversicht? Wer ist der bessere Guide durch diesen undurchdringbaren Irrgarten?
Gott, wie ich jedes Wort von dir nachvollziehen kann und dein Schweigen noch mehr.
Ich versuche dich noch zu vergessen, für dich, gibt es Wichtigeres.
Ich weiß, ich bin es nicht wert, es gibt keinen Grund an mir festzuhalten.
Und dennoch hoffe ich, wenn die Nacht sich über mir zusammentut, ganz kurz, nur still, dass du doch ab und zu an mich denken wirst und dich fragst, ob es okay ist, wenn du mich anrufst. Es wäre okay.
Und das macht es noch viel schlimmer.
In solchen Momenten glaube ich, dass M. mir all die Sehnsucht schenkte, die ein Mensch im Leben bekommen kann. Genügend Sehnsucht, genügend Poesie, genügend Liebe. All das im Überfluss, sodass es nun nur noch Trauer, Schmerz und Gleichgültigkeit für mich gibt. Und immer wieder das selbe Spiel.
Bald werde ich auch davon genug haben. Und dann wird es Zeit für die große Liebe.
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