Donnerstag, 29. Dezember 2016

Fischküsse


Fischküsse.

Du küsst so unglaublich. Nicht nur mit deinen Lippen, sondern mit deinen Augen, deinen Händen. Wenn du meinen Mund küsst, ist es, als würden deine Lippen jeden Teil meines Körpers berühren.

Aber wenn ich von deinen Küssen spreche, muss ich auch von deinen Augen sprechen, ich muss von deinen Worten sprechen, von deinem Körper. Ich muss von deiner eindringlichen Art sprechen, diesem Blick, der mich durchschaut.  Ich muss von seinem Charme berichten und dem wohligen Gefühl, das deine Stimme auf meiner Haut hinterlässt.
Am Ende rede ich von deinen Küssen, aber eigentlich hast du mich berührt.

Und wenn ich von dir spreche, sehe ich dich wie zum ersten Mal. Ich erinnere mich an mein Lächeln, das ich nicht unterdrücken konnte. Ob du es schon gleich gesehen hast?
Vielleicht bin ich nur eine deiner unzähligen Eroberungen, vielleicht hast du Angst zu versagen? Vielleicht waren meine Küsse für dich nicht so aufregend.
Und eigentlich – waren es nicht deine Küsse, sondern das, was du mit mir gemacht hast.
Du hast mich gesehen. Wirklich gesehen – mit beiden Augen.
Da macht das küssen auch viel mehr Spaß. Küsse mit den Augen schmecken wie Erdbeereis. Süß und frisch.
Mit dir zu reden war nicht anstrengend, war einfach leicht. Und doch, als würde ich mit beiden Beinen tief im kühlen Wasser stehen. Erfrischend intensiv.

Jetzt windest du dich wie ein Fisch im Netz, bist kaum greifbar, irgendwie rar. Machst du dich interessanter oder ist das Interesse weg? So oder so – ein Spiel kann ich nicht spielen, dessen Regeln ich nicht kenne.
Also schaue ich irritiert in das Netz hinein, bewundere deine wunderbar glänzenden Schuppen, sehe deine kräftigen Flossen, ich möchte dich packen, aber meine Hände sind starr. Ich möchte dich küssen, deine Lippen aber sind kalt. 


Und letztlich ist es nur ein Aufwachen aus dem erstickenden Gefühl der Einsamkeit, einem Aufatmen gleich. Fisch hin, Fisch her.

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